Saite gerissen! Hilfe, was nun?

Wer ein Streichinstrument spielt, wird es früher oder später einmal erleben: eine Saite reißt. Wie ihr neue Saiten korrekt aufzieht, was ihr dabei beachten solltet und wie ihr ein Reißen in Zukunft vermeiden könnt, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Eines Nachmittags nimmt Sophia ihre Geige aus dem Kasten und möchte üben, doch ihre E-Saite hat sich stark verstimmt – so sehr, dass das Drehen am Feinstimmer nicht mehr ausreicht. Sie hat ihr Instrument bisher noch nie am Wirbel gestimmt, aber da sie sonst nicht üben kann, führt dieses Mal wohl kein Weg daran vorbei. Sie dreht den Wirbel und – Zack! – schon ist es passiert. Mit einem Knall reißt die Saite. Mist! Was jetzt?

Warum reißen Saiten?

In Wirklichkeit kenne ich keine Sophia, die Geige spielt. 😉 Trotzdem ist diese Geschichte ein Klassiker, den ich schon oft von realen, echten Kunden mitbekommen habe.

E-Saiten reißen ganz besonders „gerne“, weil sie so dünn sind und dadurch ziemlich empfindlich auf zu starke Zugkräfte reagieren. Doch auch bei Bratschen und Celli kommt es gelegentlich vor, dass eine Saite reißt, zum einen durch falsches Stimmen, aber auch weil z.B. die Umspinnung beschädigt wurde. In letzterem Fall können Scheuern des Instruments irgendwo im Etui, zu lange Fingernägel oder auch eine scharfe Kante am Obersattel sein.

Saitenumspinnung
Intakte Saitenumspinnung bei einer A- und D-Geigensaite

Dass eine Saite reißt, kommt sicherlich bei den dünnen Saiten einer Geige verhältnismäßig häufiger vor, aber ab und an brauchen auch Bratschen- oder Cello-Spieler*innen neue Saiten, z.B. wenn sie lange und viel gespielt wurden und nicht mehr gut klingen oder schlecht ansprechen. Ist der Grund dafür nicht am Instrument selbst zu finden, kann es sein, dass die Saiten „abgespielt“ sind und erneuert werden müssen.

Wie ziehe ich eine neue Saite auf?

Der Einfachheit halber und zur besseren Veranschaulichung habe ich dir hierfür ein kleines Youtube-Tutorial erstellt.

Muss ich auf etwas ganz besonders achten?

Der häufigste Fehler beim Saitenwechsel: Alle Saiten auf einmal herunternehmen. Kurz und knapp gesagt: Lass es! Jetzt fragst du dich vielleicht: „Orrr, warum der Stress? Geht doch viel schneller so.“ 😀 Ja, kann man machen, allerdings sollte man damit Erfahrung haben.

Die Gründe:

  1. Der Steg löst sich dadurch von der Decke. Den kann man zwar wieder aufstellen, aber man muss wissen wie und wo. 😉
  2. Der sogenannte Stimmstock (oder auch einfach „die Stimme“) im Innern des Instruments kann umkippen. Dieses kleine Rundhölzchen klemmt zwischen Decke und Boden und überträgt die Schwingungen und ist wichtig für die Statik. Sollte die Stimme umfallen, ist das ein Fall für die Geigenbauwerkstatt, da man hierfür spezielles Werkzeug braucht. Zudem muss der Klang des Instruments eventuell auch noch einmal neu eingestellt werden.

Wenn du also alle Saiten wechseln möchtest und auf Nr. Sicher gehen willst, macht dies nacheinander. Eine Saite runter, die neue drauf, und dann erst die nächste Saite.

Mir reißen ständig Saiten. Wie kann ich das vermeiden?

Du solltest dich als erstes fragen: Wie habe ich mein Instrument gestimmt? Am Wirbel? Wenn ja: Habe ich die Saite zu hoch gestimmt? Wenn du das auch wieder mit „Ja“ beantworten kannst, lasse dir von deinem Lehrer oder deiner Lehrerin zeigen, wie man am Wirbel stimmt. Es erfordert ein wenig Übung, aber es ist kein Hexenwerk. Nach einigen Malen kriegst du das ganz bestimmt hin.

Trifft das alles nicht für dich zu, überprüfe einmal deinen Obersattel, ganz besonders die Kerbe, in der die Saite liegt. Sind dort irgendwelche rauen Stellen oder scharfen Kanten zu erkennen? Wenn ja, dann vereinbare einfach einen Termin mit mir. Ich kann dieses Problem schnell und unkompliziert beheben. Das gilt übrigens auch für zu fest sitzende, ständig rutschende oder schlecht passende Wirbel.

Hast du eine E-Saite mit Schlinge statt Kugel am unteren Ende und einen entsprechenden Feinstimmer? Reißt die Saite genau an dieser Stelle? Dann hat der Feinstimmer scharfe Kanten. Auch hier kann ich dir behilflich sein.

Und zu guter Letzt noch: lass deine Fingernägel besonders an der Hand mit der du greifst (bei den meisten Spieler*innen ist das die linke Hand) nicht zu lang wachsen. Du solltest die Fingerkuppe beim Spielen so aufsetzen können, dass die Nägel nicht die Saite berühren.  – „Boah, die Alte stresst heut echt ganz schön rum, jetzt will sie mir auch noch meine Maniküre vorschreiben.“ – Ja, lange Fingernägel sind stylish. Ich sag es aber ganz kurz und knapp: Geht leider gar nicht beim Streichinstrument spielen. Sorry! 😉

Woher bekomme ich neue Saiten und welche brauche ich?

Neue Saiten bekommst du im Fachhandel, somit also auch in meiner Werkstatt. Es gibt viele verschiedene Sorten und Marken mit unterschiedlichen Eigenschaften und Klangfarben. Welche du genau brauchst, kommt zum einen auf dein Instrument, deine Spielfertigkeiten und natürlich auch darauf an, wieviel Geld du investieren möchtest. Wenn du nicht weißt, was du brauchst, kann ich dich persönlich telefonisch vorab beraten und dabei auch gleich sicherstellen, dass die entsprechende Saite bei mir vorrätig ist. Wenn du möchtest, ziehe ich sie dir dann bei der Abholung gleich auf und überprüfe dabei auch noch kurz, ob mit deinem Instrument alles okay ist – natürlich ohne zusätzliche Kosten! Das gehört zu meinem Service.

Ich hoffe, ich konnte dir hiermit ein paar Fragen beantworten. Hast du noch Anregungen, Themenwünsche für weitere Blogposts, Fragen oder Probleme mit deinem Instrument, hinterlasse mir einfach einen Kommentar unter diesem Artikel. Ich antworte so schnell wie möglich darauf, und andere können dann ebenfalls davon profitieren. Ich freue mich auf dein Feedback!

Deine Geigenbauerin

 

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